ROE: Hund beißt Schwanz
-=Punkbuster=- | Monday, May 28, 2007 | 11:56Eher durch Zufall bin ich im Netz auf ein Promotionsvideo für den Service Total ROE gestoßen, das mich einmal mehr nachdenklich gemacht hat. ROE steht für Rules of Engagement und somit für das Reglement des Betriebs eines Ranked-Servers für die Battlefield-Serie. Daran hat sich - ob er sie kennt oder nicht - jeder Betreiber eines Servers und die Spieler darauf zu halten. Geregelt werden bestimmte Kernfragen und Reizthemen wie Armour-Only oder Knife-and-Pistol. Und vor allem letzter Punkt steht sinnbildlich für einen der ganz gro??en Denkfehler im System. Doch zuerst das Video, bei dem die ROE-Polizei einen Knife-and-Pistol-Server räumt:
Gezeichnet wird hier ein Bild der bösen Knife-and-Pistol-Spieler, die ähnlich einer Verbrecherbande durch das ROE-Einsatzteam in die Flucht geschlagen wird. Schwarz und Weiß, Gut gegen Böse, aber ist das wirklich so? Um diese Frage zu beantworten muss man ein wenig weiter ausholen.
Wer hat’s erfunden?
Denkt man an die bisherigen Diskussionen über das Rankingsystem, taucht vor dem geistigen Auge sofort das Schlagwort “EA” auf. Von den einen verdammt, von den anderen vergöttert steht der Publisher wahlweise für den Anfang des Endes oder den Beginn einer neuen Ära. Und dass, obwohl das mit dem Verkaufstart von Battlefield 2 eingeführte System mitnichten eine Erfindung aus Redwood, Kalifornien, ist. Das erste weltweit erfolgreiche und immer noch aktive System ist das von Christian Lizell und Lars-Erik Stenholm konzipierte BF Tracks für Battlefield 1942 und Battlefield Vietnam. DICE und EA haben also lediglich eine Idee rezipiert, adaptiert und assimiliert. Offen ist dabei nur die Frage, ob zum Schaden oder zum Nutzen der so genannten Community. Denn Probleme gibt es nicht erst seit BF2.
Hurerei seit Beginn
Blickt man auf die vergangenen Jahre zurück wird schnell eines klar: die Probleme mit der Auswertung und dem Vergleich von Punkten sind so alt wie der Vergleich selbst. Besondere Bedeutung kommt dabei Spielern zu, die das System zum eigenen Vorteil ausnutzen um am Ende des Tages an der Spitze der Liste zu stehen. Es gibt sie schon lange, nur fielen sie früher viel weniger ins Auge. Immerhin musste man die Statistik aktiv über das WWW aufsuchen und erhielt sie nicht im Spiel angezeigt. Die Verlockung war jedoch groß und Stats-Signaturen in Foren wiesen vielen Spielern einen Weg. Mehr als einmal fanden sich deshalb besonders unfaire und rücksichtslose Spieler in den Top-50 für Battlefield 1942 und Battlefield Vietnam und bereits zu diesem Zeitpunkt wurde diskutiert, beschuldigt und aus den Stats gebannt. Wer die Foren von BF Tracks in der Hochzeit gelesen hat, wird sich sicher an besonders heftige Diskussionen über Base-Raping und Heli-Hurerei (BFV) erinnern. Die Diskussionsverläufe von damals und heute sind vergleichbar. Man müsste dies ändern und jenes Kriterium entfernen, womit wir beim Punkt wären: denn ein Ranking muss nicht zwingend etwas schlechtes sein. Es kommt nur auf die Umsetzung an.
Ein unmoralisches Angebot
Betrachtet man sich das System von DICE und EA etwas genauer wird man schnell feststellen, dass das Konzept nicht grundlegend gescheitert ist. Das Aufmunitionieren, Heilen und Wiederbeleben von Kameraden auf dem Feld bringt genau so Punkte, wie die Zusammenarbeit im Squad und das Ausführen der Befehle des Commanders. Also eigentlich alles in Butter, wären da nicht bestimmte Kriterien für Abzeichen, Auszeichnungen und Pins. Wer die erhalten will, muss während der kurzen Spielzeit teils abenteuerliche Leistungen vollbringen. In einer Runde 18 Frags mit der Pistole, in der nächsten 30 Abschüsse mit der Luftabwehr. Natürlich erhält man die meisten Auszeichnungen auch einfach durch Ausdauer, doch die Option auf das schnelle Erreichen des Ziels ist für Spieler oft zu verlockend. Anstatt sich in Squads zu organisieren, rennt ein Haufen Rambos mit Pistole, Messer oder C4 übers Feld und verwandelt den Conquest-Modus in eine Art alptraumhafte Variante des Team-Death-Match. Und das schlimmste daran: erst die Richtlinien in Form der ROE von EA zwingen diese Spieler mitten ins Geschehen.
Anschauen ja, Anfassen nein
Ein-Mann-Kommandos, die auf dem Server ihr eigenes Programm fahren, sind nicht gerne gesehen. Wer auf einem Public Server lieber Dogtags statt gegnerischen Flaggen oder Silos einsammelt, zieht schnell den Zorn von Mitspielern auf sich und wo Admins anwesend sind, gibt es schon einmal einen Kick-Bann. Die Konsequenz sind die oben charakterisierten “High-Point” (hohe Ticketzahl) und “Knife&Pistol-Only-Server”, auf die man sich für bestimmte Abzeichen zurückziehen kann. Theoretisch zumindest, denn anderen Spielern sind diese Refugien ein Dorn im Auge. “Unverdient” seien diese Auszeichnungen erspielt, lauteten häufig vorgebrachte Beschwerden und anstatt die Leute einfach machen zu lassen, wurden als Folge des Protests mit dem “Battlefield 2 Ranked Server Admin Program” (BF2RS) und dem Nachfolger “Total ROE” (vorm. BFROE) gleich zwei Institutionen ins Leben gerufen, die solchen Manipulationen auf Basis der ROE Einhalt gebieten sollen. Das Ergebnis der Arbeit dieser Online-Polizei ist eine Rückverlagerung der Aktivitäten auf die Public Server, wo man sie ja eigentlich auch nicht möchte. Die Folge: Eine Störung des Gameplays und die Frage, was der eigentliche Missbrauch ist: Spielern ein regulär kaum erreichbares Ziel anzubieten, oder die Konfiguration von speziellen Servern zu verhindern, auf denen dieses erreicht werden kann? Und was stört mehr: K&P-Server oder das Erscheinen eines auf Abzeichen fixierten Spielers auf einem Public?
Ranking ja, aber bitte vernünftig
Eine schlechte Ausgangslage, aus der es jedoch Auswege gibt. Und zwar in Form eines überarbeiteten und abgespeckten Systems ohne die bisherigen Traum-Kriterien. Auszeichnungen für Messer, Pistole, C4 und Flugabwehr ja, aber bitte global und auf Basis der Gesamtspielzeit und -kills anstelle der unrealistische Rundenergebnisse, die in krassem Widerspruch zu guten Ideen wie Squad-Boni, Field Unlocks und Squad-Leader Assets stehen. Ein Rankingsystem, das ausschließlich Ausdauer und Spielzeit auf dem Battlefield belohnt und von seinen sprichwörtlichen “Kinderkrankheiten” befreit ist. Spielzeit, KDR und Flaggeneroberungen for the win!, dazu Pins, Badges und Medaillien für besonders lange Spielzeiten in einer Klasse.? Die Beobachter beim BF2RS und BFROE hätten so mehr Zeit sich auf das Wesentliche – und damit die vielen Cheater – zu konzentrieren und die Community würde sich vielleicht weniger an dem Thema entzweien. Und selbst wenn durch eine Justierung nur eine kleine Annäherung zwischen Gegnern und Befürwortern erreicht würde, wäre der Sache sicherlich schon gedient.
Dieser Artikel wurde am 28.May 2007 von -=Punkbuster=- geschrieben.
Über -=Punkbuster=-: ist ein Battlefielder der ersten Stunde. Von Battlefield 1942 bis 2142 hat er alle Teile und Add-Ons im Regal stehen. Und sie sind immer alle installiert ;)
Dieser Artikel wurde am 18.May 2007 von 





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