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Bücherverbrennung 2.0

TanteEmma | Thursday, October 15, 2009 | 20:13

Das Thema Games und Gewalt greifen wir auf unserer Hauptseite nur noch selten auf. Das liegt einerseits an der nicht vorhandenen Zeit, auf der anderen Seite aber auch daran, dass es immer weniger zu berichten gibt. Politiker scheinen in Zeiten von Koalitionsverhandlungen, Atomausstieg und Weltwirtschaftskrise wirklich was wichtigeres gefunden zu haben. Gott sei Dank, sagt der eine. Wir sagen: Der Spaß geht erst wieder los. Denn diese Ruhe vor dem Sturm, das Warten auf den nächsten Ausraster eines Jugendlichen ist nur vorrübergehend.

Aufsehen erregt im Moment das Aktionsbündnis Winnenden (AB). Kurze Erinnerung: Am 11. März 2009 war Tim K. in seine Schule gegangen und ermorderte mit einer Pistole neun Personen. Darunter waren 7 Schülerinnen und eine Lehrerin. Kurze Zeit danach (am 23. März) gründete sich das “Aktionsbündnis Winnenden”. Dieses besteht aus betroffenen Familien. Das Online Angebot ging am 1 April online. Seit diesem Frühjahr, fordert das Aktionsbündnis Änderungen beim Waffenrecht, einen besseren Jugendschutz im Internet, Verbot von Faustwaffen und natürlich ein Verbot von Killerspielen. Für uns das Unwort schlechthin.

So weit, so normal. Schließlich sind Spieler es gewohnt, dass ihr Hobby verurteilt wird und als menschenverachtend dargestellt wird. Was das Aktionsbündnis Winnenden aber nun am Samstag, den 17. Oktober 2009 vor hat, versetzt einen dann doch 65(0) Jahre in die Vergangenheit. Das AB ruft alle dazu auf, an diesem Samstag in Stuttgart “Killerspiele” in einen großen Container auf dem Platz vor der Staatsoper zu werfen. Vernichtet sollen Spiele werden, die das töten von Menschen simulieren. Welche nun dazugehören, bleibt offen. Die Reaktion von Spielern ist normal. Von Ironie (“Cool, da kann ich kostenlos Spiele abgreifen”) bis zum blanken Entsetzen (Alles was böse ist wird verbrannt: Bücher, Hexen, Spiele…). Wobei das blanke Entsetzen auch bei mir einsetze. Kleine Poente: Wer Spiele in den Container wirft, bekommt ein Los. Mit diesem hat man eine Chance, ein unterschriebenes Deutschland Trikot der Fußballnationalmannschaft zu gewinnen.

Spiele in einen Container zu werfen und den Inhalt dann vernichten, erinnert schon an die Bücherverbrennung im Dritten Reich. Auch wenn der Vergleich evtl. etwas hinkt, die Maßnahme des Aktionsbündnis ist mehr wie falsch. Videospiele werden als etwas böses dargestellt, was sie nicht sind. Alles was Personen nicht passt, wird vernichtet. Unpassend im 21. Jahrhundert, einfach fehl am Platz in einer Generation Internet und schlichtweg blöd, wenn man einen Blick in die Geschichtsbücher wirft. Auch eine symbolische Wirkung verfehlt ihre Wirkung. Wer Schußwaffen verschrottet, macht damit Werkzeuge kaputt die Leute töten. Wer Videospiele vernichten will, erreicht damit zwar aufsehen aber wohl nur wenig Gegenliebe. Während die Generation I-Phone im Web 2.0 angekommen ist, schlittert das Aktionsbündnis in die Bücherverbrennung 2.0.

TanteEmma Dieser Artikel wurde am 15.October 2009 von TanteEmma geschrieben.
Über TanteEmma: Seit 2006 bei BF-Games dabei und kommt seitdem nicht mehr weg davon. Wobei das Spiel an sich, seit 2142 nicht mehr im Vordergrund steht.

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Killerfragen

-=Punkbuster=- | Sunday, June 14, 2009 | 11:05

Mit “Killerspielen” ist das so eine Sache. Die Mehrheit der Spieler kann mit dem Begriff nichts anfangen und Spielemagazine werden nicht müde, immer neue Protestaktionen zu starten. “Spiele machen keine Killer” ist einer der zurzeit beliebtesten Sprüche und die Politik wird von der PC Games wieder einmal aufgefordert, den unsäglichen Begriff ganz aus der Dikussion über Games und Gewalt zu streichen. Eigentlich alles schön und gut, würde die Spielpresse von der kleinsten Fan-Klitsche bis zum größten Magazin nicht selbst völlig unreflektiert mit solchen Begriffen um sich werfen. Und das schlimmste daran: das Problem dürfte den meisten noch nicht einmal bewusst sein.

Ein gutes Beispiel dafür ist die News über die Zusatzkarte Coral Sea für das Spiel Battlefield 1943. Das Szenario, auf dem sich Spieler Zweikämpfe mit alten Jägern aus dem zweiten Weltkrieg liefern, muss erst freigespielt werden. Die Karte steht erst im Menü zur Verfügung, wenn alle Spieler zusammen 43.000.000 Kills erreicht haben. Eigentlich nichts besonderes, denn in der Gaming-Szene ist der Bergiff Kills spätestens nach der Einführung von “Kill-Death-Rates” im Rahmen von Statistiken nichts mehr besonders. Für einen Außenstehenden sicherlich schon.

Vor einigen Jahren wurde als Hauptbegriff noch das Wort Frag verwendet, das meines erachtens auch besser zur Idee des gemeinsamen Punktesammeln passt, als “Kills”. Angesichts der fortschreitenden Verbreitung des Denglischen macht man mit dem Wunsch jemanden zu “killen” in unseren Gefilden nämlich durchaus deutlich, dass man diesem ans Leder will. Und überhaupt: Frags kommen nicht von ungefähr, sondern sind die weichere, die nettere Form über das Thema zu sprechen. Oder zu schreiben. Ich “kille” meine Gegner nicht, sondern ich nehme sie aus dem Spiel. Genau wie beim Brenn- oder Völkerball.

Das gesagt verwundert es mich umsomehr, wieso kaum ein deutsches Leitmedium im Bereich Spiele sich Gedanken über diese Frage macht. PC Games, GameStar , Eurogamer und wie sie alle heißen, kaum jemand hat sich die Mühe gemacht statt der Kills die Frags einzusetzen. Richtig fies ist die Umsetzung von Krawall, wo man zwar von “virtuellen Toden” spricht, aber auch vom “morden für die Entwickler”. Ein Spieler mag den schwarzen Humor hinter der Aussage vielleicht verstehen, das Such- und Auswertungs-Team eines Dr. Pfeiffer sicherlich nicht.

Es sind solche Nachrichten, die von den Massenmedien mit ihren in der Spielewelt oft unerfahrenen Redakteuren aufgegriffen und ausgeschlachtet werden. “Virtuelles ‘Killen’ hoch im Kurs”, “Virtuelle Mini-Killer” und wie der Schwachsinn auch immer heißen mag. Gerade deshalb ist es wichtig, mit der Berichterstattung keine Steilvorlagen zu liefern und sich beim texten von Nachrichten auch zu überlegen, welche Botschaften ein Nicht-Spieler aus dem Text zieht. Und dabei geht es nicht ums verharmlosen und verstecken, sondern einfach um die Vermeidung von Killerfragen. Vor allem solche von ausgewiesenen Spiele-Gegnern.

-=Punkbuster=- Dieser Artikel wurde am 14.June 2009 von -=Punkbuster=- geschrieben.
Über -=Punkbuster=-: ist ein Battlefielder der ersten Stunde. Von Battlefield 1942 bis 2142 hat er alle Teile und Add-Ons im Regal stehen. Und sie sind immer alle installiert ;)

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Von Orks und Nachtelfen

TanteEmma | Thursday, April 30, 2009 | 11:05

Wir sind ja schon so einiges gewohnt. Politiker beschimpfen Spieler, sehen die Gamesindustrie als Werkzeug des amerikanischen Militärs um Soldaten auszubilden und stellen Spiele auf eine Stufe mit Kinderpornographie. Aber was die bayrische Sozialministerin sich gestern (ausgerechnet) in der Bild erlaubt hat, stellt malwieder einige Aussagen in den Schatten.

Den Bock zum Gärtner machen
Christine Haderthauer ist in Bayern für das Soziale verantwortlich. Also fällt auch der Jugendschutz, in gewisser Weise in ihr Aufgabengebiet. Vor einigen Tagen, gab sie der Münchener Ausgabe der Bild Zeitung ein Interview, wobei das Online Rollenspiel World of Warcraft die Hauptrolle spielte. Die Bild macht den Artikel mit folgender Schlagzeile auf: World of Warcraft – Haderthauer will das Killer-Spiel verbieten. Die Tageszeitung verurteilt also, ein ab 16 Jahren freigegebenes Spiel mit Elfen, Orks und anderen Fabelwesen als Killerspiel? Richtig. Deswegen hat die Minsterin vor kurzem einen Antrag ins Kabinett gebracht, um die Richtlinien der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) zu prüfen. Damit springt sie auf den gleichen Zug auf, wie Prof. Christian Pfeiffer von Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN). Zu den Prüfungen, das jedes Spiel in Deutschland durchlaufen muss sagt sie:


Das verfehlt seinen Zweck, Eltern sollten sich darauf nicht verlassen. Hier wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Die freiwillige Selbstkontrolle wird von der Medienwirtschaft bezahlt und besetzt.

Mit den Kollegen aus Niedersachsen möchte sie ein Rechtsgutachten erstellen. Ziel dabei sei es, World of Warcraft verbieten zu lassen. Der Suchtfaktor spiele dabei die größte Rolle, und der wird bei den Prüfungen des USK nicht berücksichtigt. Als World of Warcraft im Februar 2005 auf den Deutschen Markt kommt, ist von dem kommenden Hype nichts zu spüren. Weder dem von MMORPGs, noch von WoW. Wobei Haderthauer ihre eigene Meinung zu USK hat.


Da findet eine Vorauswahl des Materials statt. Die schlimmsten Gewaltszenen bekommen die Gutachter oft gar nicht vorgelegt. Das Ergebnis sind Alters-Freigaben, über die die Gutachter selbst entsetzt sind, wenn sie das Spiel dann ganz sehen.

Hintergrund der ganzen Geschichte. Die CSU tritt in diesem Jahr bei der Europawahl am 7. Juni ohne ihre große Schwesterpartei CDU an. Das bedeutet, dass sie 5 % benötigt um in Brüssel einziehen zu dürfen. Bei der allgemein geringen Wahlbeteiligung und der 5 % Klausel, benötigt man populistische Aussagen um die letzten Wähler zu mobilisieren. Das wird schwer genug, schließlich steht die CSU nur in Bayern zu Wahl.

TanteEmma Dieser Artikel wurde am 30.April 2009 von TanteEmma geschrieben.
Über TanteEmma: Seit 2006 bei BF-Games dabei und kommt seitdem nicht mehr weg davon. Wobei das Spiel an sich, seit 2142 nicht mehr im Vordergrund steht.

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Verkehrte Welt?

TanteEmma | Friday, May 9, 2008 | 15:49

Meine Lieblingseinleitung einer News auf unserer Hauptseite ist eigentlich: “Als Redakteur einer großen deutschen Battlefield Seite die einige 10.000 Klicks am Tag verzeichnet, stößt man auf seiner täglichen Tour immerwieder auf neues”. Diese Einleitung würde ich auch am liebsten hier nutzen nur irgendwie passt sie nur so halb zum Thema. Klar, als Redakteur stößt man auf so einiges. Sei es lustiges, spannendes oder faszinierendes. Doch heute bin ich auf etwas gestoßen was zu keinem dieser drei Dinge zutrifft. Es ist einfach nur peinlich.

„Counter Strike“ (Gegenschlag) heißt der Mist

Bei meinem Besuch der Homepage von den Kollegen 4Players.de/cs bin ich auf einen Artikel vom Boulevardblatt Bild gestoßen die malwieder die Tatsachen verdrehen um einen perfekten Artikel zu veröffentlichen. In dieser Online Ausgabe des Blattes schreibt der Autor als Einleitung: Das Computerspiel ist an Brutalität kaum zu überbieten. Terroristen bekämpfen Antiterror-Einheiten. Blut fließt in Strömen. Ziel ist es, so viele „Gegner“ wie möglich zu töten. 4 Sätze – 3 Lügen. Counter Strike ist ab 16 freigegeben und deswegen es zu bezeichnen als wäre es “an Gewalt kaum zu überbieten” ist schlichtweg falsch und irgendwie auch nicht passend. Blut? Blut gibt es seit Anfang an nicht in Counter Strike. Ok, der letzte Satz passt so halb, doch die meisten Spieler würden sagen: “Wir müssen das gegnerische Team ausschalten um zu gewinnen” Die wenigsten sagen: “Wir müssen töten! Darum gehts!” Eigentlich geht es im dem Text um ein Jugendhaus das Rechner aufgestellt hat und acht Lizenzen für die Kinder gekauft. Der Grund dafür: Anders erreicht man die Kinder nicht mehr. Sicherlich ist die Maßnahme nicht sonderlich gut gewählt, doch Spiele gehören nunmal in unseren Alltag und zum Aufwachsen der Jugendlichen dazu. Warum sollten Jugendhäuser nicht mehr mit der Zeit gehen. Die Bild erinnerte (natürlich) an den Attentäter Robert Steinhäuser der (angeblich) wegen diesem Spiel tötete und es ihm zum Schulmassaker verholfen hat. Dieses Gerücht wurde nie bewiesen. Wiedermal hat die Bild bewiesen, wie man aus einer kleinen News etwas ganz großes macht. Auch wenn es eher ganz großer Scheiß ist.

TanteEmma Dieser Artikel wurde am 09.May 2008 von TanteEmma geschrieben.
Über TanteEmma: Seit 2006 bei BF-Games dabei und kommt seitdem nicht mehr weg davon. Wobei das Spiel an sich, seit 2142 nicht mehr im Vordergrund steht.

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Games & Gewalt: Wir sind nicht böse

-=Punkbuster=- | Saturday, January 12, 2008 | 19:30

Die Zeit des Trauerns ist vorbei und es wird Zeit, sich wieder dem eigentlichen Thema dieses Blogs zu widmen: Spiele. Anlass ist ein Artikel der Netzzeitung über ein neues Buch des Bremer Professors Andreas Hepp und des Trierer Soziologen Waldemar Vogelgesang. Die haben sich den gemeinen Gamer auf LAN-Parties angeschaut und darüber ein Buch geschrieben, das jüngst unter dem Titel Die Computerspieler – Studien zur Nutzung von Computergames im Verlag für Sozialwissenschaften erschienen ist.

Voll bereit fürs Real-Life
Das Buch selbst ist sicherlich keine leichte Kost, weshalb wir über die Zusammenfassung der Netzzeitung dankbar sind. Spannend ist hier vor allem die Beschreibung von Ansatz und Ergebnis der Forscher, die sich den Spielern dem Bericht zufolge wie Ethnologen näherten, die Kontakt mit einer für sie unbekannten Spezies und ihrem Lebensraum herzustellen versuchen. Und dabei stießen sie nicht auf stupide Idioten ohne Hirn, Humor und Verstand, sondern auf junge Menschen mit einer besonderen Kompetenz in technischen Fragen in einem von ihnen selbst aufgebauten Lernbereich. Und laut den Forschern ist dieser Aspekt ”für flexible Erwerbsbiografien in der heutigen Zeit immer bezeichnender”.

Beweis direkt vor der Haustür
Zu einem ähnlichen Ergebnis wie die Forscher kommen wir in einer kleiner angelegten Studie der Battlefield-Szene. Innerhalb der letzten vier Jahre haben wir über 2000 Downloads in die Datenbank aufgenommen, die von Spielern erstellt wurden. Neben Modifikationen und neuen Karten finden sich dort auch komplexe Tools zur Verwaltung der  Spiele, zur Erstellung von Filmen und nicht zuletzt der Administration von Servern. Tausende und Abertausende Stunden von Arbeit stecken darin und schon allein die bloße Existenz ist Beweis genug, dass Spieler weder gewalttätig noch böse sind. Und würden sich die Verantwortlichen auch nur fünf Minuten mit der Materie beschäftigen, wäre ihnen das klar.

 Quelle: netzeitung.de

-=Punkbuster=- Dieser Artikel wurde am 12.January 2008 von -=Punkbuster=- geschrieben.
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